ALLE CHRISTIANE COYOTE ELSA FRAU FRAU_2 FRAU_3 FRAU_4 FRAU_HEINEMANN FRAU_HORN FREDERIKE GENOSSE_2 GISELA HANS HORST_SINDERMANN KERSTIN KESRTIN KLAUS LENI LEO LEUTNANT_HÜBNER LEUTNENT_HÜBNER MANDY MANN MANN_2 MARINA MARION PETZKE PROFESSOR_GRÜNWALD RUDI STEFFEN_POLENZ SUZI SUZIE TECHNIKER TERESA TOM UTA WACHMANN NACHBARIN Macht mal die Musik leiser! MANN Tag. FRAU HEINEMANN Tag. FRAU HORN Ach Karin, haste nich noch n paar Flaschen? FRAU HEINEMANN Wenn da steht, Cola is alle, isse ooch alle. Nächste Woche wieder. MANN Tag. FRAU Hallo, Frau Heinemann. FRAU HEINEMANN Wat machtn dein Abi? SUZIE Na, nochn paar Wochen, dann ist diese schreckliche Schule endlich vorbei! FRAU HEINEMANN Und? SUZIE Ähm, am besten fand ick die Stelle, wo sie meinte, ähm... „Jeder will nur den richtigen Mann in seinem Leben finden, dann wird alles gut. Aber ich will mich selber finden und nicht irgendnen Anderen.“ Irgendwann schreib ich ooch mal sowas. FRAU HEINEMANN Ach, weeßte, ab und zu nen Mann im Bett is ooch janz nett. Hier hab ick wat Besonderet für dich. Musste aber jut drauf aufpassen. SUZIE Danke. FRAU HEINEMANN Wenn dein Vater mal Zeit hat, soll er mal rumkommen. Ick hab Probleme mitm Vergaser. SUZIE Sag ich ihm. KESRTIN Meinste die will Sex von Papa? SUZIE Na hoffentlich nich. Liebe Mama, jetzt dauerts nicht mehr lange und dann bin ich endlich eine Studentin. Dann schlaf ich bis mittags, schreibe Bücher und mach nur noch was ich will. LEUTNANT HÜBNER Na, wat haben wa denn falsch jemacht? SUZIE Was wollen Sie denn von mir? LEUTNANT HÜBNER Ausweis. SUZIE Ja, nee, ich muss zur Schule. FDJ Versammlung. LEUTNENT HÜBNER Aber nich mit dem Ding da am Ärmel. Na dann kommen Sie mal, Fräulein. Immer rein. Wer gehtn so mit der Ehrenkleidung von unserer Freien Deutschen Jugend um? Susanne Schulz. 1984 von George Orwell. Ullstein Verlag. Von wem hastn das? CHRISTIANE Danke. GISELA Versuch mal die 22. Sach mal Kleene, freiwillig biste aber nich hier, wa? SUZIE Nee. GISELA Jetzt pieps hier mal nich so rum. Wat? SUZIE Nee. Nein. CHRISTIANE Wat hatse denn anjestellt? GISELA Weeß ick nich. MARINA So eene hat uns gerade noch jefehlt. CHRISTIANE Sieht nich so aus, als ob die irgendwat kann. GISELA Die Wahrheit is immer konkret, dit hat Lenin schon jesacht. Jetzt lasst uns zuerst mal kieken was sie druff hat. CHRISTIANE Mh. GISELA Drei Minuten noch, wa? GISELA Ich hab gestern über ne Stunde an ner Telefonzelle gestanden und gewartet. Morgen. CHRISTIANE Morgen! PETZKE Morgen. MARINA Morgen. PETZKE Ich möchte, dass ihr die Schulz unterstützt. Ihr seid Kandidaten für die nächste Prämie. Also strengt euch an. Und helft ihr, wenn sie nicht zurechtkommt. Mh? MARINA Ja. PETZKE Komm mal. PETZKE Wir- wir geben dir hier die Chance, dich zu bewähren. Und zu nem würdigen Mitglied unserer sozialistischen Gesellschaft zu reifen. Wat willste denn persönlich dazu beitragen? PETZKE Mein Arbeitsplatz, mein Kampfplatz für den Frieden? Mh? Hier steht, du wolltest studieren. Literatur. So schwer ist die Frage ja nun ooch nicht. GISELA Lass sie doch erstmal n paar Löcher in die Bleche bohren. Da hatse jenuch Zeit, darüber nachzudenken. Mh? Vielleicht lernt sie ja wat bei uns. KLAUS Ja, hallo Rainer, hier ist Klaus. - Du, pass mal auf, meine Große, die Susanne, die hatn Schulverweis gekriegt und ne Einweisung in die sozialistische Produktion. Du hast doch Verbindungen ins Ministerium? - Ach, die haben was bei ihr gefunden. 1984 von Orwell. - Was? - Ach du scheiße... Äh, ja klar, kann ich machen. Geht’s um den Wartburg? Ja bri- Bring den Wagen einfach her. Dank dir erstmal, ne? Tschüss. Rainer hat gesagt, dass wir noch froh sein können, dass es nich schlimmer gekommen is. SUZIE Ja, aber ich wollt doch studieren, Papa. KLAUS Suzie, in Karl-Marx-Stadt ist jemand wegen dem Buch zwei Jahre ins Gefängnis gekommen. GISELA Hey, Sveni! Bring mir mal den Astler für die 110. Aber n bisschen zacki! GISELA Äh, nee, mach mal aus! Mach mal aus. Spann mal auf. Wat solln dit werden? Kunst oder wat? Kiek mal, du sollsthier in die Ecken sollst du Löcher bohren. Klar? So, machste gleich nochmal. Und hier kommt keene Kühlflüssigkeit an. Kieck ma, is schon janz heißjeloofen, siehste dit? Dit is jefährlich, da musste uffpassen. Mach mal nochmal. Nee, nee, nee, nich so dolle, dit muss janz langsam jehen. Warte. So. Merkste? SUZIE Mhm. GISELA Gut. Mach. KERSTIN Was soll das? SUZIE Mh? Hä, das bin ja ich! KERSTIN Erst Hände abtrocknen! Und wie kommst du in die Sibylle? SUZIE Zeig mal her. Zeig mal her jetzt! Ich war in der Straßenbahn und dann war da so n Mann... KERSTIN Ja, genau. Du saßt einfach in der Straßenbahn rum und schon kommst du in die Sibylle. Außerdem bin ich viel hübscher als du. KERSTIN Liebe Sibylle. Mein Name ist Kerstin Schulz, ich bin zwölf Jahre alt. Ich gehe in die Schule der DeutschSowjetischen Freundschaft. Ich möchte gern ein Mannequin werden und wollte dich deshalb fragen, ob du auch ein Foto von mir in deiner Zeitschrift druckst? So wie von meiner Schwester Suzie. Eigentlich heißt sie Susanne, aber meine Mama hat sie Suzie genannt, wegen Suzie Quatro. Mama ist letztes Jahr gestorben. Bitte antworte mir. Meine Adresse ist: 1187 Berlin, Lübbenauer Weg 13. Immer bereit! Deine Kerstin. GISELA Ach Kleene. Jetzt hör ma uff, so trübe zu kiecken. Mh? Und auf die Finger, da schmierste Florena druff, dann sindse wie neu. Wat hastn dir überlegt? Backen fürn Solibasar? Oder n Instrument spielen aufm Betriebsfest? Du musst dich hier bewähren, schon vajessen? SUZIE Ich kann nicht backen. GISELA Ja aber irgendwat musste machen, sonst kriegen wir die Prämie nich und dann machen meine Frauen richtich Stunk. Wat isn mit schreiben für die Betriebszeitung? SUZIE Wat soll ichn da schreiben? GISELA Ick hab ooch ma vom andern Leben jeträumt. Stewardess wollt ick werden. Um die Welt fliegen. Aber naja. Komm, dit bisschen sozialistische Produktion, dit schaffste schon. SUZIE Und wenn ick dat gar nich will? GISELA Du, ob de willst oder nich – besser is, du jewöhnst dich dran. Ick weeß wat’e denkst, aber so is et nich. Wir lassen uns dat Singen nicht verbieten, dat Singen nicht und auch die Fröhlichkeit. Die jute Laune muss der Mensch behüten. Die jute Laune und ein bisschen Freud. KERSTIN Suzie! Stell dir vor, die haben mir geschrieben! Sie haben mir wirklich geschrieben! Liebe Kerstin, danke für deinen Brief. Du bist noch zu jung, um ein Mannequin zu sein, aber deine Schwester hat uns gut gefallen. Sie soll sich melden: VHB Exquisit, Brunnenstraße 1. Deine Sibylle. SUZIE Und wer hat dir geschrieben? KERSTIN Kann ich mitkommen? Bitte! KLAUS Kannst du mir das mal erklären? KERSTIN Na, weil ich ein Mannequin werde. KLAUS Hier wird niemand irgendnen Mannequin! Suzie, wir haben gesagt kein Ärger mehr! Glaubst du, ich hab nichts besseres zu tun als nach Feierabend an irgendwelchen Autos rumzuschrauben, damit du vielleicht doch noch studieren kannst? SUZIE Ich hab doch überhaupt nichts gemacht! KLAUS Überhaupt nichts nennst du das? Ha? Und ziehst auch noch deine kleine Schwester in diesen Quatsch mit rein! FRAU HORN Klaus! Du musst jetzt einfach mal sagen: Schluss meine Liebe...! KLAUS Und du kümmere dich um deinen eigenen Kram! KERSTIN Liest du mir was vor? SUZIE Ich werde nicht in dieser Fabrik bleiben. Da kann er machen, was er will. KERSTIN Lies jetzt! SUZIE Verschwinde, du großer, schwarzer Vogel, im Schatten deiner Flügel wächst die Angst. Doch ich fürchte mich nicht. Denn ich bin stark und rechne mit dem Wunder. STRAßENBAHNFAHRERTC Kleene! Du hast da wat vergessen. FRAU Könnt ihr das bis nächste Woche liefern? MANN Die Schweden. MANN 2 Yes? HANS Super, sehr schön! Und einmal drehen bitte. Wunderbar. FRAU Da kriegt man schon beim Entwurf keine Luft. MANN Können wir die Farbe ändern? MANN 2 Das muss schnurgerade runteraufen. Das geht bei den Materialien ganz einfach. FRAU Wir haben uns gedacht, dass wir die Taille, ähm... MARION Zeitlos, klassisch, enganliegend, aber doch fließend. Beige ist ne ganz menschliche, lebendige Farbe in unendlichen Schattier ELSA Marion, was solln das sein? Ha? Das ist einfallslos und bieder! Wir sind doch hier nicht bei der Brigitte. Weißt du, alt kann man sein, aber nicht beige. Ich brauch mehr Eleganz. MARION Nee, beige ist Lebensqualität! ELSA Was denn für ne Lebensqualität? MARION Beige kann unendlich viel erzählen! RUDI Na Schätzchen, was suchst du? SUZIE Das bin ich. Ich soll mich hier melden. MARION Aber du weißt schon, dass der Professor die Entwürfe noch abnehmen muss, ne? ELSA Ja, weiß ich. MARION Mhm. Und dass wir vor der Messe in Leipzig die Kollektion fotografieren müssen? ELSA Weiß ich. Aber ich weiß auch, dass du es schaffst. RUDI Das ist sie. Sie soll sich hier melden. ELSA Mhm. RUDI Geh mal auf und ab damit. Na los. ELSA Ja, hopp hopp hopp hopp! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit! Danke. So. Warte mal... Welche sind deine Favoriten? RUDI Eins und drei. ELSA Eins und drei... COYOTE Dich kenn ick doch! ELSA Was ist mit dem? Ich bin mal gespannt... COYOTE Tach. ELSA Zwei find ich aber auch sehr gut, oder? RUDI Joa... je nachdem ob, äh... COYOTE Wo fährstn du hin, so früh morgens mit der Straßenbahn? SUZIE Ins KWO. COYOTE Wat machste im KWO? SUZIE Ähm, Zer- Zerspanungsfacharbeiterin lernen. COYOTE Wat fürn Ding? SUZIE Zerspanungsfacharbeiterin. Bleche bohren, Zahnräder fräsen, so wat. COYOTE Dit ist der Titel für dein neues Heft: Unsere Frauen- sozialistischen Frauen bei der Produktion. Wo: Kabelwerk. Motiv: an der Werkbank. Gesicht: dieset Mädchen hier. KERSTIN Und dann hat er dich angeguckt und du hast ihn angeguckt und dann...? SUZIE Ja nichts. KERSTIN Habt ihr euch verliebt? SUZIE Quatsch. Ich verlieb mich doch nicht. KERSTIN Männer stehen einem ja nur im Weg rum. Das hat Mama auch immer gesagt. ELSA Sei froh, dass ich dich als Assistenten mitnehme. COYOTE Und wann lässt du mich wieder fotografieren? ELSA Du kennst doch das Gutachten über dich. Und solange das Ministerium kein grünes Licht gibt, darf ich dich nicht drucken. Das weißte doch. RUDI Dann wolln wir mal. GISELA Sowat hab ick ja bei uns noch nie im Laden jesehen! Dit is echte Seide, wa? ELSA Das ist aus unserer Kollektion für die nächste Saison. CHRISTIANE Jeht doch sowieso allet in n Westen! ELSA Hier jeht ja nüscht in n Westen, dit bleibt alles hier. CHRISTIANE Dit gloob ick aber nich. GISELA Du kannst dit sowieso nich anziehn. CHRISTIANE Ja du, oder wat? Kieck dich mal an! GISELA Na klar! Ick bin Natur. Ick kann ooch nackt jehn. CHRISTIANE Hey, hey, hey, wie son Mannequin! RUDI Hier, Schätzchen. ELSA Und? Schau dich mal an. Schau dich mal an. Was siehst du? SUZIE Ein schönes Kleid. ELSA Mhm. Aber wer macht das Kleid? SUZIE Ich? ELSA Gib dem Kleid deine Persönlichkeit! Du bist hübsch, aber hübsch sind viele. Schönheit sitzt tiefer. Die kommt von innen aus dir selbst heraus. So. Jetzt zeig mir, dass etwas Besonderes in dir steckt. CHRISTIANE Albern! MARINA Tja. PETZKE Erst schicken sie dit Mädchen zu mir, damit ick ihr die Extrawürschte abjewöhne und dann veranstaltet ihr son Theater. Wat soll denn dit? GISELA Machen wa einfach ma ne kurze Pause mit unsrer sozialistischen Erziehung. Hm? HANS Sei locker. GISELA Wirste schon überstehen, Petzke. HANS Und dreh dich mal! So und lächeln bitte. Und lächeln! Nicht so steif! Genau, in meine Kamera bitte. Sei locker. ELSA Hans? Kommst mal kurz? COYOTE Willst du mir mal zeigen, wo du hier arbeitest? SUZIE Ähm... COYOTE Zeig mal. SUZIE Dit ist meine Maschine. Dit hier mein Werkstück. COYOTE Und wie funktioniert dit? SUZIE Dat spannste hier so ein... GISELA Is aber keene vorschriftsmäßige Arbeitskleidung, ne? CHRISTIANE Jenau. COYOTE Aber dit, wa? GISELA Ja. COYOTE Stell dich mal ran. GISELA Na jut. COYOTE Na, komm n bisschen näher. Musst schon im Bild sein, ne? GISELA Wat soll ick n machen? COYOTE Sei jenau wie de bist. Sehr schön. Und du? MARINA Wat n? COYOTE Na, stell dich ran. MARINA Nee. COYOTE Na komm. CHRISTIANE Komm. Mach ma. COYOTE Na, wat is mit dir? CHRISTIANE Icke oder wat jetzt? COYOTE Ja, du. CHRISTIANE Quatsch, pff. GISELA Wie echte Mannequins, weeßte? COYOTE Wie heißtn du? MARINA Marina. COYOTE Marina. Nimmst du einmal die Kiste da und stellste dich rauf? GISELA Jetzt lach doch ma... COYOTE Guck ma her. Sehr jut. CHRISTIANE Jetze werden wir noch Mannequins. GISELA Zweete Karriere. CHRISTIANE Ja. COYOTE Macht ihr nicht zum ersten Mal, wa? PETZKE Deine Schicht is noch nich zu Ende. In fünf Minuten will ich dich am Arbeitsplatz sehen! SUZIE Machste dit eigentlich immer so? COYOTE Ick mach, wat ich will. Ich bin n asoziales Subjekt. SUZIE Ick bin ooch n asoziales Subjekt. COYOTE Schön bist du. PETZKE Schulz! RUDI Das ist meine Adresse. Da lernst du den aufrechten Gang. SUZIE Ja, aber ick muss doch hier arbeiten? RUDI Wenn Elsa dich will, dann musst du hier nicht mehr arbeiten. UTA Ey, Rudi! Kundschaft! TOM Tachchen. SUZIE Tach. MANDY Du musst das schräg halten. FREDERIKE Mach ick doch. MANDY Nee, dit funktioniert so nicht. TOM Ich will n Bier! COYOTE Na, kleene Facharbeiterin? SUZI Hallo MANN Gibste mir ooch eins? MANN 2 Jo. SUZIE Und wofür is dit alles? RUDI Wir sind GBA. SUZIE Was seid ihr? RUDI Glamourös, betörend, auserlesen – GBA. Das sind wir. Und wir machen unsere eigene Modenschau. COYOTE Wunderbar, ganz wunderbar! RUDI Ich will das ganz groß aufziehen: Musik und mit Seilen an der Decke... SUZIE Ja und... wofür? RUDI Fürn Spaß. Für uns. COYOTE Und tauch nochmal auf, tauch nochmal auf. Komm nochmal hoch. Lass dich bisschen hängen, ja? Wunderbar. Wunderbar. SUZIE Und dafür son Aufwand? RUDI Ich will auch einmal die Schönste sein. RUDI Rücken grade, Brust raus. Becken nach vorne. Auf die Spitze, drehen, lächeln...und wieder zurück. Als hättest du nie was anderes gemacht. Du bist die Königin. Nich so schlimm. SUZIE Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber die ich liebe, will ich nicht verlassen... RUDI ...aber die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, wo ich lebe, will ich nicht sterben, wo ich sterbe, da will ich nicht hin. SUZIE Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin. RUDI Hör auf abzulenken. COYOTE Sacht mal, Jenossen. Ick kenn nen Journalisten vom Stern, der will ne große Reportage machen. Wär- Wär wahnsinnig nett, wenn ick die Kamera mal uff euch druff halten könnte. So Stasi-Lokalkolorit-mäßig. MANN Mach langsam, Kamerad! KERSTIN Wo warst du? SUZIE Bei Rudi. Ich sag dir, da sind Leute, sowas hast du noch nich gesehen! Die machen was sie wollen, einfach so, aus Spaß. KERSTIN Na und? Das mach ich auch. SUZIE Kerstin? Die wollen, dass ich1 Mannequin werden! Morgen ist ein Aufnahmetest, den muss ich schaffen! KERSTIN Aber ich will Mannequin werden! Das ist mein Traum! SUZIE Ja, kannst du ja auch noch. Aber bist halt einfach noch n bisschen zu jung. Und wie seh ich aus? KERSTIN Sag ich alles Papa! SUZIE Wehe Kerstin! Gib jetzt her, die hat Mama mir geschenkt! KERSTIN Dann geh doch weg! Genau wie Mama! SUZIE Man, ich geh nicht weg. Aber dafür musst du mir versprechen, dass du das nicht Papa erzählst, auch nicht, wenn du sauer auf mich bist. Ich les dir was vor. Was solln das werden? KERSTIN Rauchen macht alt. Glaubst du, Mama sieht uns? SUZIE Ja. MARION Diese Hose macht das alltagstauglich. PROFESSOR GRÜNWALD Ist das das schwedische Material? MARION Mhm. PROFESSOR GRÜNWALD Das ist ja wirklich sehr gut, oder? MARION Mhm, ja. MANN Habt ihr schon die Frisur? PROFESSOR GRÜNWALD Kannst du dich mal drehen? MANN Das muss schnurgerade runterlaufen. PROFESSOR GRÜNWALD Der Rücken ist wunderbar. Ich finde das n bisschen problematisch. MARION Ja, das bessern wir noch aus, ist ne Kleinigkeit. FRAU Ich hab hier sonst so richtig große Frauen. FRAU 2 Wie groß bistn du? RUDI Du bist fertig. Wo bleibst du denn? Setz dich. FRAU 1,70 und du? FRAU 2 1,70. SEKRETÄRIN HEIDI Herr Professor? PROFESSOR GRÜNWALD Ah, hallo Steffen. STEFFEN POLENZ Professor. ELSA Ich grüße Sie. PROFESSOR GRÜNWALD So Kinder, fangen wir mal an! STEFFEN POLENZ Leni Strahl. Drehen bitte und mal die Arme heben. Und nochmal von hinten. Ja, nochmal ganz drehen. Und, äh, nochmal von hinten. ELSA Danke. Susanne Schulz bitte. RUDI Mach sie fertig. ELSA Rolf? PROFESSOR GRÜNWALD Steffen, entschuldigst du uns kurz? STEFFEN POLENZ Ja. ELSA Ich will das Mädchen. PROFESSOR GRÜNWALD N bisschen extravagant, aber gut. Von wem sind die? ELSA Coyote. PROFESSOR GRÜNWALD Wie bitte? ELSA Weiß doch keiner. STEFFEN POLENZ Die geht nicht. ELSA Wen soll ich denn nach Leipzig mitnehmen, wenn ihr mir jede zweite aussortiert? STEFFEN POLENZ Die wurde von der erweiterten Oberschule verwiesen. ELSA Meine Güte! Sieht man ihr doch nicht an. SUZIE Warum werden die einen genommen und die anderen nicht? LENI Tschüss. RUDI Warum darf die eine studieren und die andere nicht? Warum kann der eine ausreisen und der andere wartet, bis er alt wird? Das macht alles keinen Sinn. Und ich glaube, genau das ist ihr Plan. Dass wir uns niemals sicher sind und immer Angst haben. Haben wir aber nicht. SUZIE Doch. RUDI Du darfst denen niemals das Recht geben, darüber zu entscheiden, wer du bist. Verstanden? Jetzt hör auf zu heulen. Komm. RUDI Morgen ist Wochenende. Wir fahren an die Ostsee. Kommste einfach mal mit, kriegste wieder gute Laune. PROFESSOR GRÜNWALD Wir stehen natürlich immer wieder vor gewissen Herausforderungen was die Lieferketten angeht, da muss man natürlich schauenÄh, warte mal. Wenn du mal Sorgen hast, dann komm zu mir. Und vielleicht kann ich dir helfen. Ich hab eine Tochter in deinem Alter. Mh? So. Wo war ich stehengeblieben? Äh... Genau, Lieferketten! Die Schweden. PETZKE Warum nehmtn ihr dit hin? Dass- Dass eine von euch mitten am Tag ihrem Privatvergnügen nachgeht, während ihr um die Planerfüllung kämpft? Warum tut ihr nichts, wenn euer Kollektiv so missachtet wird? Ha? GISELA Ach Petzke, wir sind doch dein ganzer Stolz... PETZKE Nee, Gisela. Ihr alle tragt Verantwortung. Die eenen von euch bringen dit Kollektiv voran, die andern ziehn et runter. Deshalb seh ick jetze mal schwarz für Titel und Prämie. MARINA Was? CHRISTIANE Was? MARINA Dit kannste nich machen! PETZKE Wer keene Disziplin im Leben hat, der hat jar nüscht. Überlegt euch, wie ihr dit wieder hinkriegt. GISELA Petzke...! PETZKE Nee, Gisela! Ab! CHRISTIANE So. Ick hab jetzt die Faxen dicke hier! Ick will nich mehr, dass die in unserer Brigade ist. Lasst uns mal abstimmen: Wer is für Ausschluss? GISELA Mensch, Petzke nimmt dit halt ernst mitm Sozialismus. Is doch jut, eener muss dit ja machen. Lasst uns lieber überlegen, wie wir dit jeregelt kriegen. Du kannst doch schreiben. Am Montag liegt bei Petzke ne ordentliche Selbstkritik aufm Tisch. Dit wird ihm jefallen. SUZIE Mach ick. MARINA Du jehörst nich zu uns. SUZIE Ich bin auch nicht freiwillig hier. MARINA Ick ooch nich. Aber im Jegensatz zu dir is dit mein Leben. GISELA So, jetzt hört doch mal uff, mh? CHRISTIANE Kiecke. GISELA Kieck ma, dit sind ja wir! Kieck ma. Kieck ma! SUZIE Sag mal, was läuftn da eigentlich zwischen Coyote und der? RUDI Er macht die Frauen unglücklich. SUZIE Warum? RUDI Warum – warum- warum, is doch egal warum! Macht er halt. Los komm. Ab ins Wasser. COYOTE Hälste mal? RUDI Komm. Komm komm komm! Abends wird das hier Grenzgebiet! COYOTE Ich bevorzuge lichtarmes und jämmerliches Milieu – trist und voller Skepsis zum Leben in der DDR. SUZIE Wieso trist und jämmerlich? COYOTE Dit steht so im Gutachten über mich. Dat Ministerium hat verboten, meine Bilder zu drucken. Machste mal das Licht an? Naja, wollte nich zur Armee. Hab ick verweigert und dann konnt ick mein Fotografie-Studium vergessen. Willste ooch n Bier? SUZIE Ja. SUZI Danke. Ick wollt ja eigentlich Schriftstellerin werden. Studieren und so. COYOTE Ick lese keene Bücher. SUZIE Warum nicht? COYOTE Mich bildet dat Leben. Denk doch nicht so viel nach, du kannst dit allet sowieso nich kontrollieren. Mach einfach, wirste schon sehen, wat passiert. SUZIE Und deine Fotos? COYOTE Die sind der Platz, an dem ich gern sein will. Aber der ist nicht außen irgendwo, oder bei irgendwem. Der ist... Der ist hier drinne. Weeßte, die Kraft, die muss immer aus einem selber kommen. Ich spür das, wenn et auf mich zukommt, dieset eine Bild. Dis is wien Jewitter. Da weeßte auch schon janz am Anfang, wenn die ersten Blitze noch janz weit weg sind, wat da gleich abgeht. Dann fängt et an zu knistern und wird elektrisch in der Luft. Ick krieg dieset, dieset... aufjeregte Jefühl im Bauch, weil ick den Moment nicht erwarten kann. Und dann ist er plötzlich da, der Moment. Dann drück ich den Auslöser... und bin glücklich. KLAUS Sag ma, ist das hier jetzt dein Plan? Ha? Hier, solche Bilder? SUZIE Ja. KLAUS Ja? Ist das dein Plan jetzt hier? SUZIE Ja! KLAUS Aber wieso willstn jetzt plötzlich alles hinschmeißen, Suzie? SUZIE Ich kann doch sowieso nicht mehr studieren. KLAUS Kannst doch jetzt nicht einfach aufgeben! SUZIE Und Schriftstellerin werd ich auch nicht mehr. KLAUS Warum das denn jetzt? SUZIE Man, weil ich- Weil ich mich nicht anpassen will! Weil- Weil ich frei sein will! Und weil ich niemals so werden will wie du. Papa? He, was soll das? Mach die Tür auf! KERSTIN Nö! SUZIE Kerstin? Ey, spinnt ihr jetzt alle?! Mach die Tür auf! KERSTIN Du hast versprochen, du lässt mich nicht allein. SUZIE Papa! KERSTIN Der is bei Frau Heinemann. SUZIE Komm, mach auf jetzt. KERSTIN Mhmh. SUZIE Du kriegst auch meinen Rekorder! KERSTIN Hab ich schon. SUZIE Wieso nimmst du einfach meine Sachen? KERSTIN Weil du nie da bist. SUZIE Komm schon, Kerstin. Du weißt doch, was Mama immer gesagt hat: Wir müssen zusammenhalten. Also lass uns jetzt zusammenhalten! SUZIE Herr Professor? PROFESSOR GRÜNWALD Komm rein. Gegen den Untergang der Welt hilft nur die Eleganz. Diese Schuhe sind der Aufgabe nicht gewachsen. Was trägst du für Schuhe, mh? Zeig mal. Na, komm her. Schuhe mit Absätzen verlängern das Bein. Du solltest Pumps tragen. Setz dich. Du kannst sie mitnehmen. Aber mach ihr klar, was das bedeutet. Gut. ELSA Natürlich. Weißt du, ich bin mir eigentlich gar nicht mehr sicher, ob ich dich wirklich mit nach Leipzig nehmen soll. SUZIE Aber wieso denn? ELSA Du brennst nicht. SUZIE Äh, doch! ELSA Ja? Was hast du denn? Was kannst du? Was sind deine Kompetenzen? SUZIE Ja, vielleicht ist es n Problem, dass ich noch nicht so ELSA Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen. Nenn mir einen Grund, warum du Mannequin sein willst. SUZIE Ich will keine Löcher mehr in Bleche bohren. ELSA Einen. SUZIE Ich kann da nicht bleiben. Das geht nicht. ELSA Und ich bin kein Sammelbecken für Gescheiterte. Hier geht es um Schönheit. Weißt du, was das ist? Schönheit? Schönheit ist ein Versprechen, dass es jenseits der Mittelmäßigkeit etwas gibt, wo Ruhe herrscht. Schönheit besänftigt die Nerven. Schönheit ist keine gute Absicht, sondern eine Tatsache. Schönheit ist Provokation, Strenge... Verantwortung. Und Schönheit hat ihren Preis. SUZIE Liebe Mama, ich werde diese Chance nutzen. Manchmal findet man das Glück eben auf Umwegen. Das hast du auch immer gesagt. ELSA Macht mal leiser! Macht mal leiser bitte! So, Mädels, also für die Neuen unter uns, ja? Die Modenschau in LeipzigUta? Uta hörst du zu? Die Modenschau in Leipzig ist die Wichtigste des Jahres. So. Das heißt, es ist unsere Präsentation vor Sindermann und der Partei. Bitte denkt an die Sicherheitsvorkehrungen. UTA Na, dann zieh dich mal warm an, Püppi. ELSA Also, Hals und Beinbruch Mädels! SUZIE Wieso? Ziehst du dich wieder aus? UTA Wieso bist du hier? Was musst du dafür machen? SUZIE Spinnst du? RUDI Jetzt hört doch mal auf! Anstatt zusammenzuhalten wie erwachsene Frauen, benehmt ihr euch wie Kinder! UTA Hey! Ich hab n Auge auf dich. PROFESSOR GRÜNWALD Mein Lieber Horst Sindermann, mein lieber Genosse! Ich freue mich sehr, dass du auch in diesem Jahr die Zeit findest, unsere Präsentation für die nächste Saison zu begutachten. HORST SINDERMANN Sowas lasse ich mir doch nicht entgehen! WACHMANN In Ordnung. RUDI Ihr, teilt euch bitte eins. FRAU Genau. FRAU 2 Wo sind hier die Strümpfe? FRAU 3 Auf dem Tisch da drüben. FRAU 4 Gib mir mal dit Band da! RUDI Du bist schon wieder zu spät! LENA TC 00:55:13:00-00:55:13:00 Rudi! RUDI Ja? LENI Geht nicht. RUDI Zeig. Geht doch. MARION Oh, ich liebe diese Hektik. Das ist Haute Couture! Drei Stiche. RUDI Ja. MARION Ja? Ok? TECHNIKER Rudi? Wo solln die Glotze hin? RUDI Aufn Tisch. UTA Na? Post von den Genossen? Pass bloß auf. RUDI Ja... Das wird schon. HORST SINDERMANN Sehr gespannt. PROFESSOR GRÜNWALD Es wird sich lohnen. Horst, ich sage Ihnen, es wird sich lohnen. Unsere Kollektion ist hochwertig und langlebig. Wir wollen eine bestimmte Art zu leben definieren, indem wir das ästhetische Niveau steigern und damit steigt die Attraktivität unseres Alltags. RUDI Ab ab ab, Leni, raus mit dir! FRAU Los, los, los! UTA Ich mach dich fertig, Spätzchen. SUZIE Was will die? RUDI Lass dich nicht verunsichern! RUDI Was macht ihr denn da draußen? Bist du wahnsinnig geworden? SUZIE Hast du das gesehen? UTA Jetzt macht kein Theater draus. RUDI Hör auf damit! SUZIE Ich geh da nicht mehr raus! RUDI Reiß dich jetzt zusammen! SUZIE Nein. RUDI Doch. Du, ich warne dich, mach das nicht nochmal. Den Koffer doch nicht...! MARION Kriegt hier eigentlich irgendjemand mit, was da draußen los ist? Was istn in dich gefahren? UTA Der ist gebrochen. MARION Ach Quatsch! Du weißt, was an dem Brautkleid hängt, ne? Komm, du musst da raus! UTA Man! Der ist gebrochen. Ich kann nicht mal stehen! PROFESSOR GRÜNWALD Ja. Manchmal liegt der Charme in der Improvisation... Der Höhepunkt unserer Präsentation wird ein ganz neues Feld aufmachen, mit dem wir auch international unser Profil erweitern werden. HORST SINDERMANN Hübsch sind sie, unsere sozialistischen Frauen! …Naja, die meisten jedenfalls. HANS Und lächeln. Immer in die Kamera schauen. Und die Blume nochmal. Lächeln! COYOTE Na los. PROFESSOR GRÜNWALD Es ist wichtig, dass wir uns fragen, ob die Menschen glücklich oder unglücklich sind. Und dabei spielt die Erfüllung ihrer Bedürfnisse eine ganz wesentliche Rolle. Dann Mode ist Veränderung und Veränderung stößt auf Widerstand. Wir kennen das Gestern, wir müssen dorthin denken, wo das Morgen ist! Der Erfolg unserer Arbeit ist nicht mehr aufzuhalten und bringt uns jetzt nach Paris, wo wir in der Galerie Lafayette einen Verkaufsstand eröffnen werden. Auf euch! PROFESSOR GRÜNWALD Du hast eine vielversprechende Zukunft vor die. Ich freue mich! STEFFEN POLENZ Schön, dass Sie Zeit für uns haben, Fräulein Schulz. Setzen Sie sich. Setzen Sie sich, bitte. Wir möchten Ihnen, insbesondere auch im Namen vom Genossen Sindermann, für Ihren Einsatz danken. Sie haben die Situation...sagen wir mal: gerettet. Wie kam es denn dazu? SUZIE Was meinen Sie? STEFFEN POLENZ Wann hat Rudolf Schramm diesen Auftritt geplant und wer war alles daran beteiligt? SUZIE Ich weiß nichts von einem Plan. Und beteiligt war auch niemand. STEFFEN POLENZ War es mit Uta Krumbiegel abgesprochen? Die sollte ja das Brautkleid tragen. SUZIE Sie hat sich den Fuß gebrochen! STEFFEN POLENZ Wussten Sie davon? SUZIE Wovon denn? STEFFEN POLENZ War Frank Diller bei der Modenschau anwesend? SUZIE Wer? GENOSSE 2 Coyote, so nennt er sich. STEFFEN POLENZ Ach, Coyote? Na gut. Also war dieser Coyote auch in Leipzig? ELSA Du hast in Leipzig einen guten Eindruck hinterlassen. Jetzt musst du dich nur noch schriftlich verpflichten und dann wird der Professor für dich eine dauerhafte Freistellung bei der Betriebsleitung beantragen und damit ist das Thema KWO für dich erledigt. Bravo. SUZIE Das ist doch nicht dein Ernst? ELSA Ich würde dir nur empfehlen mit niemandem darüber zu sprechen. SUZIE Du weißt davon? ELSA Niemand will nur den kleinen Finger. Es geht immer um die ganze Hand, Chérie. SUZIE Nee. ELSA Was ist es dir wert, deinen Traum zu leben? SUZIE Wo warst du? RUDI Ich wurde verhaftet. Und Elsa hat mich rausgeschmissen. Eine schwule Braut war dann doch zu viel für ihre Nerven. Ach übrigens: Wir treffen uns morgen Mittag in der alten Kaserne, um die Show aufzubauen. Könntest du die Leuchtstoff-Röhren mitbringen? Ich schwöre dir, diese Show, das wird das Aufregendste und Großartigste, was es jemals in dieser Stadt gegeben hat! Prost! Komm. SUZIE Wie machst du das? Wie kannst du aus allem Schlechten was Gutes machen? RUDI Ach, das hab ich doch schon x-mal durch. Sie nehmen mich fest, dann lassen sie mich laufen. Ich fliege raus, dann stellen sie mich wieder ein. SUZIE Wieso hast du keine Angst? RUDI Wir haben doch uns, was soll mir da passieren? COYOTE Ick muss dir wat sagen... SUZIE Ick dir ooch. COYOTE Ähm, du- du hast dich bei mir einjenistet. In meinem Kopf, in meinem Körper, überall... Sogar hier biste drinne! Ähm... Keene Sorge, du sollst mich nich gleich heiraten. Du muss mich einfach nur lieben. Dit du jetzt heulst... ist das watist das wat Jutes? Oder wat Schlechtes? SUZIE Ich muss dir was sagen. COYOTE Wat denn? SUZIE Die Stasi hat mich ausgefragt. COYOTE Was? SUZIE Hilfst du mir? COYOTE Klar. MANN Ausweis! SUZIE Ey, habt ihr das gesehen? Die kontrollieren uns jetzt schon. UTA Dass du dich noch hierher traust. TOM Rudi, wo solln das Zeuch hin? RUDI Nach hinten. UTA Die Stasi hat Coyote verhaftet, weil du ihn verraten hast. Sie haben ihn abgeholt. In einem Wartburg. SUZIE Spinnst du? UTA Ich habs gesehen. SUZIE Ach, Uta. RUDI Hör auf! SUZIE Ich hab ihn nicht verraten! Rudi! RUDI Ich glaub dir gar nichts mehr. Wer mit der Stasi redet, ist raus. SUZIE Coyote! Coyote! KERSTIN Da bist du ja endlich. SUZIE Lass mich! KERSTIN Was ist denn los? SUZIE Ich bin eine naive, bescheuerte, blöde Kuh. Geh weg! KERSTIN Warum machst du das? SUZIE Ich kann hier nicht mehr bleiben. Es geht nicht. Hau ab! Hau ab! ELSA Machs gut, schöner wilder Wolf der Steppe. Begabtester von allen... pour le bien. SUZIE Was sind das für Fotos? Wie kommen die da rein? ELSA Ja, wie kommen die da wohl rein? Coyote hat seine Chance gesehen und er hat sie ergriffen. Er ist ein großartiger Fotograf. Er wird seinen Weg machen. SUZIE Coyote wurde verhaftet. ELSA Nein. Er ist abgehauen. SUZIE Niemals! Das glaub ich dir nicht. ELSA Aber leider, leider, leider, leider hats Rudi erwischt. Und leider, leider muss man manchmal seine freunde opfern. Leider hat alles seinen Preis. SUZIE Was ist mit Rudi? ELSA Rudi? Rudi, Rudi, Rudi ist wie eine Katze. Er fällt immer auf seine Füße. Immer. SUZIE Rudi? UTA Hast du schon gehört? Der heißeste Arsch, der sitzt nicht im Knast, der ist jetzt auch im Westen. Was istn hier los? SUZIE Ich hab niemals irgendwen oder irgendwas verraten! GISELA Huhu! Na, Kleene? Nicht lachen! Hilf mir mal. Willste? SUZIE Nee. GISELA Haste schon jehört? Petzke hat uns die Prämie nich jegeben. Na, der kann seine Gurken erstmal ne Weile alleene essen. Die Mädels sind stinksauer. Aber hab ick dir jesacht: Dit kommt nie so, wie de denkst. Dit kommt immer noch viel schlimmer. Ick find dit so toll, du in der Sibylle. Die Bilder von dir überall... n richtiger Star biste. Mein Schwager is ooch janz verknallt in dich. Der arbeitet in der Pathologie und ick soll dir ausrichten, wenn de mal ne Leiche sehen willst, dann sollste vorbeikommen. SUZIE Was soll ich mit ner Leiche? GISELA Weeß ick doch nich! Aber so hat er meine Schwester rumjekriegt. Der ist mit ihr nachts durch die Pathologie und dann hat er sie jeküsst. So und jetzt erzähl mal: Wat hastn uffm Herzen? SUZIE Ich hab mich entschieden. Ich komm zurück. GISELA Du bist eene von uns. Und ick find dit wichtig, dat wirn Kollektiv sind, dat eener für den anderen einsteht. Und ooch wenn Petzke uns die Prämie nich jejeben hat, ick mag den. Ick kann dit jut leiden, wenn eener an wat Größeres glaubt als er selber ist. Und ick fin dit wichtig, für ne bessere Welt zu kämpfen. Und versteh mich nich falsch, aber... du jehörst hier nich her. SUZIE Ich weiß. GISELA Och, Kleene... SUZIE Wir machen weiter. RUDI Womit? SUZIE Mit der Show. Wir machen die Show. RUDI Wir haben keine Kostüme mehr. SUZIE Ja. Dann machen wir sie neu! RUDI Duschvorhänge und Gartenfolie sind alle. TOM S’is vorbei Suzie, s’is vorbei. SUZIE Gisela, die- die hat nen Schwager in der Pathologie. RUDI Ja und? SUZIE Die Leichen werden doch in so ne Folie eingewickelt. RUDI Leichenfolie? Glamourös, betörend, auserlesen – in Leichenfolie? SUZIE Niemand hat das Recht zu entscheiden, wer wir sind. Wenn wir jetzt aufgeben, dann haben die gewonnen und nicht wir. RUDI Oh Gott UTA Doswidanja! Auf dass du uns vermisst. Auf Coyote! ALLE Auf Coyote! UTA Na, Püppi? Hey. Komm schon. Jetzt müssen wir uns nicht mehr um denselben Kerl streiten. Mh? SUZIE Weißt du eigentlich, wie bescheuert du bist? UTA Ist mir klar. Nastrowje! ALLE Nastrowje! RUDI So, hört mal alle her! Diese edlen Kleider werden im VHB Exquisit hergestellt. So ein Mantel kostet dann aber schon mal ein Monatsgehalt. TERESA Dit is ja keen Wunder, dat die Stasi da sauer jeworden ist. LEO Also ick finds echt schau... wir alle im Stern! TOM Ja kieck, aber Rudi hamse verprügelt! RUDI Der Mann in der Mitte ist Horst Sindermann, Präsident der Volkskammer und die grauen Männer sind Parteibonzen. Die freuen sich das ganze Jahr auf die schönen Frauen und dann ist zum Höhepunkt die Braut plötzlich schwul. Dabei gibt’s offiziell in der DDR gar keine Schwulen. ALLE Ja! Wuhu! RUDI Auf uns! ALLE Auf uns! Rudi! SUZIE Na los. KERSTIN Ist es wirklich für mich? SUZIE Hab ich selber gemacht. Willste mal anprobieren? KERSTIN Ja! SUZIE Dankeschön. Sag mal, haste eigentlich was von Coyote gehört? RUDI Nee. Und will ich auch nich. SUZIE Ich hab gehört, dass jetzt viele über Ungarn abhauen. RUDI Willst du das auch machen? SUZIE Weeß nich. RUDI Entweder du bist frei, dann bist dus überall, oder du bist es nicht. Dann nützt dir auch der Westen nichts. SUZIE Papa! Komm, lass sie mal rein, is meine Schwester. KLAUS Abend. SUZIE Na? KLAUS Hallo. SUZIE Hallo, Papa. GISELA Kleene! Hier dein Schnee. Du, die andern kommen ooch. Viel Glück! Komm, Petzke. SUZIE Liebe Mama, nur wenn wir träumen, sind wir frei. Ich weiß jetzt, was du meinst