ALLE ARBEITER ARBEITER_1 ARBEITER_2 ARBEITER_3 ARZT AUGUST BAUER CHOR CHORLEITER EGON_SCHRAMLI ELSE_SCHMID ERNST_SCHRAMLI ERWIN_LORENZ GERTI_RIEBLI GERTI_ZANELLI GUSTAV GUSTAV_SCHMID GUTGEKLEIDETER_MANN HAUPTMANN_KELLER HEERESPOLIZIST HUNGRIGER_MANN INGRID_SCHMID JOHANN_RIEBLI JUNGE KINDER KIND_1 KONRAD_ZANELLI KONSUL_GUNTER_WEYRAUCH KONSUL_WEYRAUCH MANN MAX_HOFSTATTER MAX_HOFSTETTER MILITARARZT NACHBAR NACHSPANN OTTO_SCHRAMLI PFANDER PILET_GOLAZ POLIZEIHAUPTMANN_WALTER_SEILER PUBLIKUM RICHTER_WENG ROMAN_GRAF SOLDATEN STADTRAT_MATTHIAS_GERBER STANDERAT_FAVRE ZEITUNGSJUNGE ZUSCHAUER ERNST SCHRAMLI Ah! BAUER Hey! BAUER Was machst du da oben? Runter da! Finger weg von meinen Fallen! KINDER Junge MAdchen Da, das ist der Ernst! Das ist der bose Hund vom Fallenbauer!.Ich hab Angst.Schaut doch!. He, der kann aber schnell laufen!Das ist der Schramli.Lauf lauf lauf!Das geht nicht gut. Der Hund ist hinter ihm her! Wenn er her kommt, kommt der Hund auch.Oh weh, der holt ihn gleich. Was macht er da? JUNGE Mach s nicht! JUNGE Das uberlebst du nicht! ERNST SCHRAMLI Was krieg ich, wenn ich springer MANN Alle Lichter aus! Ausmachen! Lichter aus! KINDER Kommt schnell! ERNST SCHRAMLI Zigarette? Etwas Kleingeld fur einen tapferen Soldaten? HEERESPOLIZIST SchrAmli! SchrAmli, Stehenbleiben!Halt! Stopp! HAUPTMANN KELLER Was sollen wir mit Ihnen machen, SchrAmli? ERNST SCHRAMLI Mich freilassen. Ich habe nichts Unrechtes getan! Ich reib euch die Haare aus, wenn ihr ihm was tut! HAUPTMANN KELLER Ein Tierfreund. ERNST SCHRAMLI Hab viele versteckte Talente. ROMAN GRAF Was ist hier los? HAUPTMANN KELLER Sieh an, der Herr Vormund. ROMAN GRAF Hauptmann Keller! Was machen Sie in meinem Buro? HAUPTMANN KELLER Das, was Sie an Ihrem Mundel offenbar versAumt haben, Wachtmeister Graf. ROMAN GRAF Darf ich erfahren, was dem Ernst angelastet wird? HAUPTMANN KELLER Wie wurden Sie es nennen, wenn man nach der dienstfreien Zeit nicht wieder einruckt? ERNST SCHRAMLI Urlaub! ROMAN GRAF Sei still! HAUPTMANN KELLER Ich sage Ihnen, was die Deutschen so erfolgreich macht. Dass sie so einen wie den wegsperren, und zwar lang. ERNST SCHRAMLI Herr Graf, nicht wieder in den Arrest, bitte. ROMAN GRAF Ich sorge dafur, dass er in seiner nAchsten Dienstpause in der Textilfabrik Zanelli arbeitet. Und wie die Deutschen mit ihren Soldaten umgehen, interessiert mich nicht. Wir sind hier auf neutralem Boden. HAUPTMANN KELLER Holland war auch neutral. Deutschland hat Holland heute angegriffen. Mit DAnemark und Norwegen ist das schon das dritte neutrale Land. ERNST SCHRAMLI Herr Graf! Ich will nicht mehr zur Armee. Den ganzen Tag Pferde striegeln. Ich bin allergisch gegen die Viecher! HAUPTMANN KELLER Was mochten Sie denn lieber machen, SchrAmli? ERNST SCHRAMLI Ins MilitArorchester. Singen kann ich. HAUPTMANN KELLER Dann bitte. Ich dachte, Sie wollen singen, SchrAmli? ERNST SCHRAMLI Rufst du, mein Vaterland Sieh uns mit Herz und Hand. All dir geweiht Heil dir, Helvetia! Hast noch der Sohne ja, Wie sie Sankt Jakob sah, Freudvoll zum Streit! HAUPTMANN KELLER Sing! ROMAN GRAF Keller! ERNST SCHRAMLI Da, wo der Alpenkreis.Nicht dich zu schutzen weiss. HAUPTMANN KELLER Es schworen die Soldaten, der Eidgenossenschaft die Treue zu halten fur die Verteidigung des Vaterlandes seiner Verfassung Leib und Leben zu opfern. Den Befehlen der Oberen punktlichen und genauen Gehorsam zu leisten. HAUPTMANN KELLER Die Fahne niemals zu verlassen. Hebt die rechte Hand zum Schwur. SOLDATEN Ich schwore es. ERNST SCHRAMLI Ich schwore es. MAX HOFSTATTER Bist du s wirklich? MAX HOFSTATTER Ich dachte, ich seh dich nie wieder. ERNST SCHRAMLI Max, die finden mich immer und bringen mich zuruck. MAX HOFSTATTER Das stimmt allerdings. Dass Keller dich dafur nicht hat einsperren lassen?! ERNST SCHRAMLI Der Graf hat seine Uberredungskunst eingesetzt. MAX HOFSTATTER Siehst du? So schlecht ist der Graf dAmlich doch nicht. ERNST SCHRAMLI Der Graf ist ein Idiot, MAxle. Er will mich zu dir in die FArberei stecken. MAX HOFSTATTER Ja, er will dir doch nur helfen! Man kriegt sogar zu essen in der Fabrik. ERNST SCHRAMLI Die AbfAlle der feinen Herren? Von den paar Rappen, die du da verdienst, kannst du dir nie ein Fotostudio leisten, MAxli. Wenn du dem Graf immer alles glaubst, bist du genauso ein Idiot wie er. MAX HOFSTATTER Was willst du denn machen, wenn wir in ein paar Wochen wieder eine Dienstpause kriegen, Ernst?! Irgendwann musst auch du mal einer richtigen Arbeit nachgehen. EGON SCHRAMLI Lass mich los, du Lumpensack! Ihr verfluchtes Pack, lasst mich los, verflucht noch eins! EGON SCHRAMLI Lass mich los! ERNST SCHRAMLI Der bleibt hier! PFANDER Sie sind? ERNST SCHRAMLI Der Sohn. PFANDER Hab Sie noch nie hier gesehen. EGON SCHRAMLI Weil er hier nichts zu suchen hat. Nehmt den Plunder doch mit. Nehmt alles mit! Verdammte Halsabschneider, arme Leute schinden! ERNST SCHRAMLI Vater! EGON SCHRAMLI Schau mich nicht so an. EGON SCHRAMLI Was hast du wieder angestellt? ERNST SCHRAMLI Ich habe gar nichts angestellt. Ich brauche nur einen Platz, wo ich sein kann. EGON SCHRAMLI Einen Platz, wo du sein kannst. Ich kann dich nicht durchfuttern, begreif das endlich. ERNST SCHRAMLI Ich kann dir helfen, Vater. Dank dem MilitArdienst habe ich Ubung im Ausmisten. EGON SCHRAMLI Ich hab nichts mehr auszumisten. Das Vieh, das haben sie mir lAngst weggenommen. KIND 1 Grobvater? KIND 1 Sind die bosen MAnner weg? Konnen wir rauskommen? EGON SCHRAMLI Ja, ab auf s Feld! Wird s bald! OTTO SCHRAMLI Hallo, Ernst. ERNST SCHRAMLI Und die? Die kannst du durchfuttern, oder was? ZEITUNGSJUNGE Frankreich kapituliert! Schweiz von AchsenmAchten eingeschlossen! Kauft die Zeitung! Kauft die Zeitung! Frankreich kapituliert! Schweiz von AchsenmAchten eingeschlossen! Kauft die Zeitung! Kauft die Zeitung! Kauft die Zeitung! Kauft die Zeitung! Kauft die Zeitung! KONSUL GUNTER WEYRAUCH Schweizer Kameraden! Es ist mir eine besondere Freude, gerade heute die Monatsversammlung der Ortsgruppe St. Gallen zu eroffnen. Frankreich hat die Waffen niedergelegt! KONSUL GUNTER WEYRAUCH Das GebAude des Grobdeutschen Reiches steht auf solidem Fundament!! HUNGRIGER MANN Wann gibt s was Solides zu essen? ERNST SCHRAMLI Gibt s was umsonst? NACHBAR Aber ja. KONSUL GUNTER WEYRAUCH Einzig hier, in unserem geschAtzten Nachbarland, der Schweiz, bleibt noch einiges zu tun. Begrussen Sie mit mir den Stadtrat von St. Gallen, Matthias Gerber! Heil Hitler! ALLE Heil, Hitler! STADTRAT MATTHIAS GERBER Liebe Mitburger. Als grobte Schweizer Stadt in GrenznAhe war uns ein gutes VerhAltnis zu unserem grossen Nachbarn Deutschland schon immer ein Anliegen. Als Zeichen unseres bruderlichen Zusammenhalts freue ich mich, Ihnen heute Schweizer Buben und MAdchen vorstellen zu durfen, die diese innere Verbindung nicht nur auf dem Herzen, sondern auch auf ihren Zungen tragen. Einen Applaus fur die Reichsdeutsche Jugend St. Gallen! CHOR Wenn der Fruhling kommt, von den Bergen schaut, Wenn der Schnee im Tal Und von den Hugeln taut Wenn die Finken schlagen Und zu Nestern tragen Dann beginnt die schone gold ne Zeit. ZUSCHAUER Stopft diesen Singvogeln das Maul und uns endlich den Ranzen! CHORLEITER Psst. ERNST SCHRAMLI Wenn der Fruhling kommt, von den Bergen schaut, Wenn der Schnee im Tal Und von den Hugeln taut GUTGEKLEIDETER MANN Kannst dir auch gleich ein Rockchen anziehen! ERNST SCHRAMLI Weiter! Weiter! Dann beginnt die schone neue Zeit. PUBLIKUM Buuuh! ERNST SCHRAMLI Macht euren Dreck doch alleine! AUGUST Schone Stimme. Schone Stimme. GUSTAV SCHMID Von deiner Mutter? Von deiner Mutter? ERNST SCHRAMLI Keine Ahnung, die ist tot. Fast schon mein Leben lang. AUGUST Was fur eine Verschwendung. ERNST SCHRAMLI Hab nicht darum gebeten. GUSTAV SCHMID Ich meinte deine Stimme. Hoch hinaus konntest du damit. Grosse Buhnen. Die Leute wurden dir zu Fussen liegen. ERNST SCHRAMLI So wie vorhin? GUSTAV SCHMID Die Schweiz ist ein Land der Bauern. GAnzlich ohne Geschmack. Die Schweiz ist ein Land der Bauern. GAnzlich ohne Geschmack. ERNST SCHRAMLI Und ihr? Ihr seid anders, oder was? AUGUST Steig ein. Wenn du willst. Steig ein. Wenn du willst. ERWIN LORENZ Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh ich wieder aus.. AUGUST Cognac? Sekt? Cognac? Sekt? ERNST SCHRAMLI Ist mir einerlei. AUGUST Mit einerlei kommt man nicht weit. Mit einerlei kommt man nicht weit. ERWIN LORENZ Das MAdchen sprach von Liebe Die Mutter klar von ihr Das MAdchen sprach von Liebe AUGUST Man sollte nie mit Fremden trinken. August. August Schmid. Man sollte nie mit Fremden trinken. August. August Schmid. ERNST SCHRAMLI Ernst. AUGUST Setz dich, Ernst. Setz dich, Ernst. ERWIN LORENZ Nun ist die Welt so trube, der Weg gehullt in Schnee. Nun ist die Welt so trube, der Weg gehullt in Schnee. AUGUST Mach die Augen zu. Mach sie zu. Mach die Augen zu. Mach sie zu. ERWIN LORENZ Ich kann zu meiner Reisen Nicht wAhlen mit der Zeit. Muss selbst den Weg mir weisen In dieser Dunkelheit. Es zieht ein Mondenschatten Als mein GefAhrte mit ERNST SCHRAMLI Was ist das? AUGUST Erwin Lorenz. In Berlin, da bekommen SAnger wie er stundenlangen Applaus, stehende Ovationen. Weisst du, wie es sich s anhort, wenn tausend Menschen klatschen, Ernst? Wie ein tosender Wasserfall bei Nacht. Als wurden eine Millionen Vogel auffliegen. AUGUST Was machst du, wenn du nicht singst, Ernst? MilitArdienst? ERNST SCHRAMLI Ein dummer Sauladen ist das. Ich hab zum Gluck grade dienstfreie Zeit. AUGUST Es kommt nicht oft vor, dass mich jemand an den jungen Erwin Lorenz erinnert. ERNST SCHRAMLI Und was heibt das? AUGUST Dass du s weit bringen kannst, Ernst. ARBEITER Direktor Zanelli! JOHANN RIEBLI Ein bisschen schneller, hopp! Hier gibt es nichts zu sehen. VorwArts! Hopp, hopp! MAX HOFSTATTER Jawohl, Herr Riebli. Was machst du denn hier? MAX HOFSTATTER Du hast wirklich keinen Hunger? ERNST SCHRAMLI Nein. MAX HOFSTATTER Jetzt sag , was los ist. ERNST SCHRAMLI So einen schrAgen Vogel habe ich getroffen. Einen reichen Pinkel. Der sagt, dass ich gut singen kann. MAX HOFSTATTER Das hast du schon immer gekonnt, schon im Heim. ERNST SCHRAMLI Ja, aber MAxle, du verstehst das nicht. Der redet von Theatern, von OpernhAusern, von groben Buhnen Davon, dass ich ein echter SAnger werden kann. PILET-GOLAZ Da der Krieg nicht mehr an unseren Grenzen toben wird, konnen wir allerdings unverzuglich eine Demobilmachung ins Auge fassen. Jeder von uns muss den alten Menschen ablegen. ARBEITER 1 Was heibt das? ARBEITER 2 Was will er uns damit sagen? GERTI ZANELLI Er will, dass wir uns ergeben! Die Fahne nach Hitler-Deutschland ausrichten. Unser eigener Bundesrat! MAX HOFSTATTER Die Tochter vom Chef, sie wollte eine Gewerkschaft grunden. PILET-GOLAZ Der Zeitpunkt der inneren Wiedergeburt ist gekommen! ARBEITER 3 Recht hat er! Wir sind doch viel zu klein, um uns zu wehren. ARBEITER 2 Dann verschonen uns die Deutschen vielleicht! ERNST SCHRAMLI Feiglinge! Wollt ihr wissen, warum die Deutschen sich so stark fuhlen? Weil wir Kleinen vor ihnen kriechen!! Soll er doch kommen, der Hitler! Lieber tot als ein Sklave! GERTI ZANELLI Lieber tot als Sklave! ERNST SCHRAMLI Lieber tot! ERNST SCHRAMLI Lieber tot! ALLE Lieber tot! Lieber tot! Lieber tot! Lieber tot! Lieber tot! Lieber tot! Lieber tot! Lieber tot! JOHANN RIEBLI Das liebe FrAulein Zanelli! Wo es laut ist, sind Sie nicht weit. GERTI ZANELLI Haben Sie die Rede gehort? Unser eigener BundesprAsident will, dass wir uns den Deutschen wie eine Hure an den Hals werfen. JOHANN RIEBLI Uberlassen Sie die Politik doch einfach MAnnern, die sich auch damit auskennen. ERNST SCHRAMLI So groben MAnnern wie Ihnen? JOHANN RIEBLI Wo haben Sie den Schreihals ausgegraben? GERTI ZANELLI Ich kenne den Herrn nicht, leider. ERNST SCHRAMLI He, he, he! He, he! JOHANN RIEBLI Name? Name! Bist du Kommunist? Ein dreckiges Kommunistenschwein, das meine Arbeiter aufhetzt? ERNST SCHRAMLI Ich bin niemand. Aber wenigstens bin ich kein Lackaffe wie du! GERTI ZANELLI Horen Sie sofort auf! Lassen Sie mich los! ERNST SCHRAMLI Singt ERNST SCHRAMLI Was machen Sie denn hier?! KONSUL GUNTER WEYRAUCH Die Frage ist doch wohl andersherum. ERNST SCHRAMLI Ich wurde eingeladen, vom chef personlich KONSUL GUNTER WEYRAUCH So? Und wen darf ich anmelden? ERNST SCHRAMLI SchrAmli, Ernst. Nach Berlin will ich. KONSUL GUNTER WEYRAUCH Die Zeiten, in denen jeder Dahergelaufene ein Visum bekommen hat, sind lAngst vorbei. ERNST SCHRAMLI Aber der Herr Schmid hat gesagt, dass ich es in Berlin zu etwas bringen kann. KONSUL GUNTER WEYRAUCH Ein Landstreicher belAstigt mich. ERNST SCHRAMLI Landstreicher?! Das nimmst du zuruck! KONSUL GUNTER WEYRAUCH Heil, Hitler! ERNST SCHRAMLI Wuuuh. AUGUST Gib mir die Statue, sie ist nichts wert. Oder mochtest du, dass ich meine Anstellung verliere? ERNST SCHRAMLI Anstellung? Aber ich hab gedacht. AUGUST Was? Dass ich hier das Sagen habe? Ich bin nur s Maitli fur alles hier. Ich sorg fur Ordnung im Haus, mach den Garten. sowas. ERNST SCHRAMLI Aber das Auto und alles? AUGUST Gehort dem Konsul. Das ist der Kerl, den du grad bestehlen wolltest. Er ist der Vertreter des Deutschen Reichs in der Schweiz. Hach Ich kann verstehen, wenn du jetzt enttAuscht bist. ERNST SCHRAMLI So viel Gluck, Herr Schmid, daran musste was faul sein. Ich hatte immer Pech, wissen Sie. Ich war ein kleiner Bube, als mich die Polizei ins Heim gesteckt hat. Als einziges von acht Kindern. Ich bin der Jungste. AUGUST Und dein Vater? Ist der auch? ERNST SCHRAMLI Tot? Nein, nein. Als Sie neulich all die schonen Sachen gesagt haben, da hab ich mir vorgestellt, dass ich es als SAnger schaffe und Dass ich dann bei meinem Vater aufkreuze so, mit einem schicken Mantel und mit Hut, und einem Frauenzimmer im Arm. Dann wurde er mich sicher wieder haben wollen. AUGUST Erwin Lorenz, ja. Und meine Wenigkeit. Ich kann ein Vorsingen in Berlin fur dich arrangieren, Ernst. Aber - ohne Visum kommst du nicht nach Deutschland. ERNST SCHRAMLI Ja und das Visum? AUGUST Das kann nur der Konsul ausstellen. ERNST SCHRAMLI Konnen Sie den Konsul nicht uberzeugen? AUGUST Vielleicht kannst du s selbst. AUGUST Wo warst du denn uberall im MilitArdienst? MAX HOFSTATTER Das ist Wahnsinn.Wahnsinn! Woher hast du das alles?! ROMAN GRAF Das wurde mich auch interessieren. ROMAN GRAF Woher du diesen Fummel hast. MAX HOFSTATTER SAnger ist er geworden, der Ernst. POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Gibt s Probleme? ROMAN GRAF Nein, nein Hauptmann Seiler. Ich kenn die beiden schon von klein auf. Das ist der MAxli und das der Ernst. Meine Mundel. POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Das sind Ihre Mundel? Passen Sie bloss auf, dass Ihre Mundel Sie nicht uberflugeln. ERNST SCHRAMLI Ja, passen Sie gut auf, Herr Graf. ERNST SCHRAMLI Wisst ihr, was euer grobter Fehler wAre? MAX HOFSTATTER Wenn ihr es verpasst, mit uns zu tanzen. ERNST SCHRAMLI Tun Sie es nicht, FrAulein Zanelli! GERTI ZANELLI Was? ERNST SCHRAMLI Ohne mich schwimmen gehen. GERTI ZANELLI Stellen Sie sich vor, der Lackaffe hat um meine Hand angehalten. Er sucht nur sein Vorteil, egal wie, und er hat eine gute Nase furs GeschAft. Der perfekte Ehemann, wenn es nach meinem Vater geht. ERNST SCHRAMLI Ich hoffe, Sie haben dankend abgelehnt. GERTI ZANELLI Lieber hacke ich mir den Finger ab, als dem seinen Ring zu tragen. Sie sehen so anders aus, Namenloser. ERNST SCHRAMLI Ernst heibe ich, FrAulein Zanelli. Und SAnger bin ich geworden. GERTI ZANELLI Aha? Das passt zu einem SAnger. Was machen Sie da? ERNST SCHRAMLI Schauen, das alle dran bleiben. Das wAre der Lackaffe nicht wert. GERTI ZANELLI Mein Vater bestimmt einfach alles: Was ich anzuziehen habe, ob ich zum Fluss runter gehen darf. Ja, nein, wenn ja, wie lang. Ob ist studieren darf. Ein Mannsbild mochte ich sein!! ERNST SCHRAMLI Das lost das Problem auch nicht, FrAulein Zanelli. Arger mit dem Vater hat man trotzdem. Da spreche ich aus Erfahrung. GERTI ZANELLI Verfluchte Scheibe! Mogen Sie es nicht, wenn FrAuleins fluchen? ERNST SCHRAMLI Im Gegenteil. Sie ahnen nicht, was fur eine SchwAche ich fur fluchende FrAuleins habe. GERTI ZANELLI Du Schleimbeutel! ERNST SCHRAMLI Schabracke! GERTI ZANELLI Weiberfurz! ERNST SCHRAMLI Du KockstAlze! GERTI ZANELLI Hinckefub, Arschgeige, Saukerl, Lumpensack. ERNST SCHRAMLI Aber, aber, FrAulein Zanelli. GERTI ZANELLI Ich bin die Gerti. Wenn du mir wehtust, bringe ich dich um. ERNST SCHRAMLI Guten Abend, Herr Schmid. AUGUST/ GUSTAV SCHMID Sieh mal einer an, der Erwin. ERNST SCHRAMLI Ernst heibe ich. AUGUST Warum bist du hergekommen? So spAt in der Nacht? Brauchst du mehr Geld? ERNST SCHRAMLI Sind Sie krank? AUGUST Damit gewinnt unsere Armee jede Schlacht. Hach. Geld. Hach Geld. Geld, Geld immer geht s ums Geld. Hier, nimm , nimm , nimm . Bedien dich von diesem widerlichen Haufen. Das willst du doch? Das wollt ihr doch alle. Wenn s hier nicht stimmt, dann ist das alles wertlos. Schau mich an Schau mich an. Du musst dich von mir fernhalten, mein Junge. ERNST SCHRAMLI Ich hab keine Angst vor Ihnen. AUGUST Hm. AUGUST Bitte bleib bleib Bleib ERNST SCHRAMLI KIND 1 Grobvater! Grobvater! Der Konig und die Konigin sind da! ERNST SCHRAMLI Vater. Otto. GERTI ZANELLI Wir haben etwas fur euch. KINDER Ohh! Wie fein, der Kuchen! Was ein feiner Kuchen! Kommt ERNST SCHRAMLI Damit kannst du deine Sachen zuruckkaufen. EGON SCHRAMLI Wie siehst du uberhaupt aus? Gerade hast du mich noch angebettelt, ob du ausmisten darfst, und jetzt kommst du daher wie ein aufgeblasener Gockel. GERTI ZANELLI Der Ernst ist als SAnger entdeckt worden. EGON SCHRAMLI Redet jetzt dieses Weibsbild fur dich? GERTI ZANELLI Ernst und ich sind ein Paar. EGON SCHRAMLI Ein Paar? Ihr beide? ERNST SCHRAMLI Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh ich wieder aus, Der Mai war mir gewogen, Mit manchem Blumenstrauss. Das MAdchen sprach von Liebe, Die Mutter gar von Eh. EGON SCHRAMLI Hau ab! Hau ab! Geh zum Teufel mit deinem Lumpen-Geld! ERNST SCHRAMLI Wenn ich stehle, schlAgst du mich. Wenn ich arbeiten will, ist es dir nicht recht. Und statt das Geld zu nehmen jagst du mich weg. Was muss ich noch machen, Vater? EGON SCHRAMLI Nenn mich nicht Vater! Du bist kein Sohn. Ein nichtsnutziger TrAumer bist du, aber kein SchrAmli. Und ein SAnger bist du schon zehnmal nicht! ERNST SCHRAMLI Ich stopfe dir dein verdammtes Maul! EGON SCHRAMLI Wenn davon nur ein Rappen liegen bleibt, schlag ich dich tot. GERTI ZANELLI Ernst! Warte! GERTI ZANELLI Ernst, das ist mir doch alles einerlei! ERNST SCHRAMLI Was? GERTI ZANELLI Woher du kommst. Ob du wirklich SAnger wirst oder nicht. ERNST SCHRAMLI Ich bin SAnger! GERTI ZANELLI Herrgott, glaubt eigentlich jeder Mann, er kann mit mir umspringen, wie er will? Du hast mich hier, doch nur zum Vorzeigen gebracht. Ich dumme Kuh hAtte es schon am Fluss wissen mussen. Ah! Ah! Ah! Ah!! GERTI ZANELLI Singt AUGUST Der Konsul schiesst auf sie. AUGUST Leider trifft er dabei nicht so gut, wie er uber sie schimpft. Vorsichtig. Es gibt zwei Sorten Mensch, Ernst. Den werten und den unwerten. Wert, das sind die KAmpfer, die sich holen, was ihnen zusteht. Ihnen wird am Ende des Kriegs die neue Welt gehoren. Den Mutigen. Und unwert, das sind die Untermenschen. Die Asozialen, die Kruppel. ERNST SCHRAMLI Herr Schmid? AUGUST Ja? ERNST SCHRAMLI Was ist, wenn ich, wenn ich auch unwert bin? AUGUST Du bist perfekt, Ernst. Perfekt! ERNST SCHRAMLI Wissen Sie, Herr Schmid. AUGUST Bitte, Ernst, sag August zu mir. Ja? ERNST SCHRAMLI August. Die Enge hier, die zieht in den Kopf. Die zieht uberall hin. Die macht einen krank. AUGUST Leider hat der Konsul sich noch nicht geAubert zu deinem Visum. Aber vielleicht konnen wir nachhelfen? Ich hab gehort, in den Bergen werden Bunkeranlagen gebaut? ERNST SCHRAMLI MAxle! Du warst doch bei der Festung Heldsberg im Dienst, oder? Kannst du mir zeigen, wo die EingAnge der Bunker sind? MAX HOFSTATTER Warum willst du das denn wissen? ERNST SCHRAMLI Ohne Visum kein Deutschland. MAX HOFSTATTER Deutschland?! Was willst du da? In Deutschland? ERNST SCHRAMLI SAnger werden, Max! MAX HOFSTATTER Aber die Deutschen sind doch unsere Feinde? ERNST SCHRAMLI Freunde, Feinde Mir ist ganz egal, wer den Krieg gewinnt. Hauptsache, wir konnen endlich hier weg. MAX HOFSTATTER Und wenn ich dir helfe, kriege ich dann auch ein Visum? Fur Deutschland? ERNST SCHRAMLI Ja, klar. Warum nicht? MAX HOFSTATTER Auf den Fotos siehst du bestimmt irgendwo die EingAnge. ERNST SCHRAMLI He, he, he! Lass mich. ERNST SCHRAMLI Loslassen, hab ich gesagt! ERNST SCHRAMLI Ich hab nichts gemacht! Und der Max auch nicht! ROMAN GRAF Der Max? Herr Johann Riebli hat schwere Vorwurfe gegen dich erhoben. ERNST SCHRAMLI Der Lackaffe?! ROMAN GRAF Der Herr Riebli ist der Chef-Advokat der Zanellis. Weibt du eigentlich, was das heibt? ERNST SCHRAMLI Das heibt, dass Sie ihm alles glauben, weil er ein reicher Lackaffe ist. GERTI ZANELLI Ernst! ARZT Die vaginale Korona ist vollstAndig gerissen. ERNST SCHRAMLI Was ist hier los? ARZT Eine immissio penis ist also als bewiesen anzusehen. ERNST SCHRAMLI Sie haben kein Recht, Gerti so zu behandeln! ROMAN GRAF Du gibst also zu, das MAdchen zu kennen? ERNST SCHRAMLI Ich geb hochstens zu, dass Sie ein Idiot sind, Herr Graf. ROMAN GRAF Sie konnen gehen. Gerti Zanelli ist minderjAhrig. Du hast dich an einem Kind vergangen. GERTI ZANELLI An meinem nAchsten Geburtstag werde ich volljAhrig. ROMAN GRAF Nehmen Sie ihn nicht in Schutz. Wie ein Tier sollst du im Wald uber sie hergefallen sein! GERTI ZANELLI Ich habe es auch gewollt! ROMAN GRAF Sie konnen froh sein, wenn Herr Riebli seine Beobachtung nicht offentlich macht. GERTI ZANELLI Ich wollte es auch. ROMAN GRAF Schluss jetzt! ERNST SCHRAMLI Sie sind nur eifersuchtig, weil Sie selbst nie ein Weibsbild abbekommen! ROMAN GRAF So, bringt das MAdchen raus! GERTI ZANELLI Fassen Sie mich nicht an! ROMAN GRAF Weisst du, was mich am meisten Argert? Dass du dich allem verweigerst. Hast du auch nur einmal eine Chance angenommen, die du von mir gekriegt hast? Hast du auch nur einmal wenigstens versucht, etwas an dir zu Andern? Da! Du kannst gehen. Das war das letzte Mal, dass ich den Kopf fur dich hingehalten habe. ERNST SCHRAMLI Was heibt das? ROMAN GRAF Dass ich nicht mehr dein Vormund bin. Und jetzt verschwinde! Begreif es endlich, Ernst. Ich halt dich nicht mehr aus. Genauso wie dein Vater dich nicht mehr ertragen hat. Er hat damals beantragt, dich in einem Heim unterzubringen. Wenn ich mich nicht um dich gekummert hAtte, wArst du lAngst vor die Hunde gegangen! Und jetzt hau verdammt nochmal ab! ERNST SCHRAMLI August! August! AUGUST Ich bin da, Ernst. Ich bin doch da. ERNST SCHRAMLI Du hast es mir versprochen mit Berlin. Bitte. Bitte, August! AUGUST Wir kriegen das hin, ja. Ja. Wir kriegen das schon hin, Ernst. Aber nicht so. Warum tAuschst du mich?! Der Konsul hat deine Landkarte prufen lassen. Nichts darauf stimmt, nichts! ERNST SCHRAMLI Ich hab s vielleicht ungenau gezeichnet. AUGUST Blodsinn! Abziehen wolltest du mich! ERNST SCHRAMLI Und wenn schon! Hast du nicht das Gleiche mit mir gemacht? AUGUST Du selbst lAsst dir deine Chancen entgehen! Weil du dir ein Leben lang hast einreden lassen, dass du nichts wert bist, dass du nicht gut genug bist! Ernst? Ernst, vertraust du mir? Vertraust du mir? ERNST SCHRAMLI Heldsberg. AUGUST Hohlladungsgranaten. Weibt du, wie die aussehen? ERNST SCHRAMLI Und dann? AUGUST Bring ich sie uber die Grenze. ERNST SCHRAMLI Nach Deutschland? AUGUST Vertrauen heibt, nicht alles zu hinterfragen. Ernst. AUGUST HAUPTMANN KELLER SchrAmli! Zwei Minuten, keine Sekunde mehr. GERTI ZANELLI Danke, Herr Hauptmann. Spurst du es? Noch ist s nicht grober als ein Katzenherz. Ich bin schwanger. Ich besorge Geld von meinem Vater, der hat genug. Dann hauen wir ab nach Zurich. Wir bauen uns ein Haus mit einem Kirschbaum im Garten, so richtig zum Sattessen. Dann kannst du ein Baumhaus bauen und wir machen noch mehr Kinder. Ernst?! ERNST SCHRAMLI Ich kann das nicht. Ich kann kein Vater sein. GERTI ZANELLI Fragst du mich, ob ich Mutter sein kann? Aber ich bin es. Ich werde es. ERNST SCHRAMLI Ich will aber nichts sein mussen, nur weil man es von mir erwartet. Und du solltest es auch nicht. GERTI ZANELLI Was verlangst du von mir? Ein Kind zu haben ohne Mann, weibt du, was das bedeutet?! HAUPTMANN KELLER Weitermachen! ERNST SCHRAMLI MAxli, pack das Ding weg. MAX HOFSTETTER Zahlst du so fur dein Visum? Und was ist mit mir? ERNST SCHRAMLI Ich hab s versucht, aber. MAX HOFSTETTER Du hast mich ausgenutzt. ERNST SCHRAMLI Was?! Nein! MAX HOFSTETTER Ausgenutzt! ERNST SCHRAMLI Pssst. Nimm das. Nimm! MAX HOFSTETTER Ich schreie! ERNST SCHRAMLI Was glaubst du passiert, wenn ich auffliege? Soll ich zu Graf gehen und ihm sagen, dass du mir Fotos von Heldsberg gegeben hast? ERNST SCHRAMLI August? Ich bin s. August! Bitte mach auf. Ich will dich sehen! ERNST SCHRAMLI August! KONSUL WEYRAUCH Sind Sie des Wahnsinns?! Hier in dieser Aufmachung aufzukreuzen?! Wir stehen unter Beobachtung! ERNST SCHRAMLI Wo ist August? Ich muss ihn sehen. KONSUL WEYRAUCH Auguscht ist nicht da. ERNST SCHRAMLI Was heibt das? KONSUL WEYRAUCH Das heibt, dass du jetzt sofort von hier verschwindest und dich nie wieder blicken lAsst. Husch, Husch! ERNST SCHRAMLI Wo ist er? KONSUL WEYRAUCH Er ist. zuhause. ERNST SCHRAMLI Lug mich nicht an! Oben ist die Tur zu! Wo?! KONSUL WEYRAUCH Schmid wohnt nicht hier. INGRID SCHMID HAnde hoch! Oder ich schiebe! AUGUST Ingrid, kommst du? ERNST SCHRAMLI August. ELSE SCHMID Wo bleibt ihr denn? ELSE SCHMID Warum sagst du mir denn nicht, dass du noch jemanden erwartest, Gustav? ERNST SCHRAMLI Es war auch sehr spontan, es tut mir leid. Gustav. GUSTAV Darf ich dir Ernst vorstellen? ELSE SCHMID Entschuldigen Sie, wie unhoflich. Else. INGRID SCHMID Kann Papas Freund mit uns essen? GUSTAV Nein, ich glaube, der Ernst will lieber. ELSE SCHMID Unsinn, Gustav. Ernst hat doch bestimmt Hunger, nicht? Woher kennen Sie meinen Mann? GUSTAV Wir kennen uns geschAftlich. ELSE SCHMID Und was genau haben Sie geschAftlich mit meinem Mann zu tun? GUSTAV Else, das tut doch nun wirklich nichts zur Sache. ELSE SCHMID Gustav erzAhlt so wenig. Taucht manchmal ganze Tage unter. ERNST SCHRAMLI Soll ich Ihnen ein Geheimnis verraten, gnAdige Frau? ELSE SCHMID Aber bitte doch, ich liebe Geheimnisse! GUSTAV Ernst, warum erzAhlst du uns nicht. ERNST SCHRAMLI Mit Gustavs GeschAften hab ich gar nichts zu tun. GUSTAV Der Ernst wollte blob eine Konzertkarte abholen. Er ist SAnger. ELSE SCHMID SAnger?! ERNST SCHRAMLI Na ja, noch nicht ganz. Es ist so. INGRID SCHMID Sing was fur uns! Bitte, bitte! ELSE SCHMID Ja, bitte. Das wAre schon. GUSTAV Schluss jetzt! Der Ernst hat manchmal keine Lust zu singen. Stattdessen begnugt er sich damit, Dinge kaputt zu machen. ELSE SCHMID Was machen Sie denn kaputt, Ernst? GUSTAV Mein Gott. Was musst du auch hier auftauchen?! ERNST SCHRAMLI Wer bist du uberhaupt? August oder Gustav? GUSTAV Was macht das fur einen Unterschied? ERNST SCHRAMLI Ich dachte, du wArst anders. Ich dachte. GUSTAV Ernst Ernst. Alles, was ich zu dir gesagt hab , war wahr! Ist wahr. Alles. ERNST SCHRAMLI Du elender Lugner, du verdammter Feigling. GUSTAV Du hast die falschen Granaten gebracht! Ja, die falschen! ERNST SCHRAMLI Nein Ich hab alles fur dich riskiert, August! Alles! ELSE SCHMID Ist alles in Ordnung, Gustav? GUSTAV Pscht. Ich komm gleich. ELSE SCHMID Wenn ich was helfen kann. GUSTAV Else, bitte! Ich komm gleich! ELSE SCHMID Naturlich. GUSTAV Pscht. ERNST SCHRAMLI August, sag mir nur das eine. Glaubst du wirklich, dass ich SAnger werden kann? August? August? August? GUSTAV Du gehst jetzt, Ernst. ERNST SCHRAMLI Vater Vater STADTRAT MATTHIAS GERBER Meine Herren, ich muss Ihnen nicht erklAren, welche Folgen ein Eingreifen der Amerikaner fur den Kriegsverlauf hAtte. POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Folglich, Herr Stadtrat? STADTRAT MATTHIAS GERBER Folglich wird von Regierungsseite gewunscht, dass wir es mit unserer NeutralitAt wieder genauer nehmen. POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Von Regierungsseite? STADTRAT MATTHIAS GERBER Ich gebe das wieder, was mir StAnderat Favre hat bestellen lassen. Die Kantone sollen sich wieder an ihre neutralen Pflichten erinnern. In allen Bereichen. KONRAD ZANELLI Unsere Wirtschaft ist auf GeschAfte mit den Deutschen angewiesen. Denn das sind gute GeschAfte, sage ich Ihnen. ERNST SCHRAMLI Ich muss mit Ihnen reden, Herr Graf. Sie mussen mir helfen. Ich habe Mist gebaut. ROMAN GRAF Und die Granaten? ERNST SCHRAMLI Hab ich ihm gebracht. ROMAN GRAF Und wofur das alles? Fur die Klamotten da? ERNST SCHRAMLI Er hat versprochen, mir mit dem Singen zu helfen! Mich hier rauszuholen. Ich will es wieder gutmachen, Herr Graf. ROMAN GRAF Wieder gutmachen? Auf Landesverrat steht die Todesstrafe! ERNST SCHRAMLI Schmid will, dass ich nochmal Granaten fur ihn stehle. Er bringt sie selbst uber die Grenze. Und da schnappen Sie ihn. ROMAN GRAF Ich?! Was hab ich damit zu schaffen? ERNST SCHRAMLI Wollen Sie diesen Hanseln nicht endlich mal zeigen, was in Ihnen steckt? ERNST SCHRAMLI Ich hab nur eine Bedingung: Sie mussen mich dann gehen lassen. GUSTAV Ernst. GUSTAV Dein Visum. Steig ein. Ich bring dich uber die Grenze. Heute Abend sind wir in Berlin, Ernst. Zusammen. Den Mutigen gehort die Welt. Du sagst ja gar nichts. ERNST SCHRAMLI Es ist zu spAt. ROMAN GRAF Du hast richtig gehandelt, Ernst. Wir konnen Schmid nicht verurteilen, wenn du nicht aussagst. ERNST SCHRAMLI Ich hab August. Gustav Schmid zufAllig kennengelernt. Er hat gemeint, ich konnte in Berlin SAnger werden. Er wollte mir mit dem Visum helfen. ROMAN GRAF Helfen? ERNST SCHRAMLI Den Konsul uberzeugen. ROMAN GRAF Welche Art Dienste hat Herr Schmid von dir verlangt? ERNST SCHRAMLI Hab ich Ihnen doch schon erzAhlt. Ich habe meine Dienstorte fur ihn markiert, auf Landkarten. Und uber die Festung Heldsberg hatte er auch was wissen wollen. Ich hab ihm blob Unsinn verraten. Darum ist der August sauer geworden. Dann hab ich ihm Fotos gegeben, von MAxli. ROMAN GRAF Du hast den Max in die Sache mit reingezogen? ERNST SCHRAMLI Ist alles in Ordnung, Herr Graf? ROMAN GRAF Ja, ja. Also Und die Granaten, die hast du Herrn Schmid ubergeben? ERNST SCHRAMLI Beim ersten Mal die falschen. ROMAN GRAF Beim ersten Mal? Wie viele Ubergaben waren es denn? ERNST SCHRAMLI Zwei. ROMAN GRAF Du hast zwei Mal aus dem Waffenlager deiner eigenen Kompanie Granaten gestohlen? ERNST SCHRAMLI Ja, Herr Graf. Kann ich jetzt endlich gehen? ERNST SCHRAMLI Lasst mich los!! Lasst mich los! Das ist ein MissverstAndnis! Herr Graf! Herr Graf! Nein, nein, nicht! Lasst mich raus! Ich muss mit Herrn Graf sprechen! Herr Graf! ROMAN GRAF Irgendetwas Neues? POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Schmid ist nicht zur Grenze gefahren. POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Und von den Granaten fehlt jede Spur. ROMAN GRAF Und was passiert jetzt mit dem Ernst? POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Er hat alles gestanden, nicht? ROMAN GRAF Ja, schon Aber. POLIZEIHAUPTMANN WALTER SEILER Gegen einen Vertrauten zu ermitteln ist schwer, Graf. Aber in Zeiten wie diesen braucht man Ergebnisse. Und die haben Sie geliefert. Ich werde Sie personlich beim PolizeiprAsidenten als meinen Nachfolger empfehlen. RICHTER WENG Hiermit eroffne ich das Verfahren gegen SchrAmli, Ernst, geboren am 8.9.1919 in Abtwil, St. Gallen. Horen Sie mit dem Gesinge auf, SchrAmli, oder ich verweise Sie des Saals! Wegen Unterwanderung der militArischen Geheimhaltungspflicht im Dienste einer feindlichen Nation lautet die Anklage auf Landesverrat. ERNST SCHRAMLI Horen Sie, Herr Richter RICHTER WENG Ruhe! RICHTER WENG Zur weiteren Einordnung des Subjekts rufe ich jetzt die erste Zeugin auf. Name? GERTI RIEBLI Gertrud Riebli, geborene Zanelli. RICHTER WENG Frau Riebli, Ihr Ehemann hat vor einiger Zeit Anzeige gegen den Angeklagten Ernst SchrAmli erhoben. Tatvorwurf: Grobe Verfuhrung und Unzucht mit einer MinderjAhrigen. KONRAD ZANELLI Herr Richter, was hat das mit dem Verdacht des Hochverrats von SchrAmli zu tun? RICHTER WENG Es geht darum, das moralische GrundverstAndnis des Angeklagten auszuleuchten, Herr Zanelli. Seine FAhigkeit, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Lesen Sie. GERTI RIEBLI St. Gallen, 15. Juli. RICHTER WENG Bitte ab der Markierung. GERTI RIEBLI Die MinderjAhrige FrAulein Z. versucht sich aus dem Griff von E.S. zu befreien. Aber dieser druckt sie gewaltsam zu Boden, dreht FrAulein Z. das Gesicht von sich weg und reibt ihr das Kleid hoch. Mit heftigen Stossen penetriert E.S. das FrAulein Z.., das schreiend RICHTER WENG Ich weib, was ich gerade von Ihnen verlange, GnAdigste. GERTI RIEBLI Herrgott, wieso darf eine Frau nicht vor Lust schreien? RICHTER WENG Wie bitte? GERTI RIEBLI Die Zusammenkunft fand in meinem EinverstAndnis statt. RICHTER WENG Das ist die Zeugenaussage Ihres Ehemannes! Sie behaupten also, dass er lugt? GERTI RIEBLI Alles, was ich sage, ist, dass RICHTER WENG Frau Riebli? GERTI RIEBLI Nein. RICHTER WENG Antworten Sie in ganzen SAtzen, Frau Riebli. GERTI RIEBLI Nein, mein Mann lugt nicht. RICHTER WENG Danke, Sie konnen gehen. ERNST SCHRAMLI Ich will auch etwas sagen. Die Granaten, also die ersten, hatte ich fur den August. also fur Herrn Schmid geklaut. Beim zweiten Mal war das eine Absprache mit Herrn Graf, blob deshalb habe ich es nochmal getan. RICHTER WENG Warum sollte Herr Graf Sie anweisen, eine Granate zu klauen? ERNST SCHRAMLI Na, damit er Schmid verhaften kann. RICHTER WENG Also bitte, SchrAmli! ERNST SCHRAMLI Aber das stimmt. RICHTER WENG Schafft ihn weg. Schafft ihn weg. ERNST SCHRAMLI Herr Richter! Der Graf und ich, wir RICHTER WENG Schafft ihn weg! ERNST SCHRAMLI Wir haben das so abgemacht. Es ist wahr ERNST SCHRAMLI Herr Richter! Lasst mich los! Lasst mich! STANDERAT FAVRE Meine Herren, was ich Ihnen jetzt sage, ist eine Weisung der Regierung. An der Ostfront konnte sich eine Niederlage der Deutschen abzeichnen. In einer entsprechenden Neukonstellation stunde die Schweiz momentan nicht gut da. Wie wollen wir nach dem Krieg von der Welt gesehen werden? STADTRAT MATTHIAS GERBER StAdterat Favre! STANDERAT FAVRE Als Kollaborateure der Nationalsozialisten oder als neutrales Land, das sich gegen nationalsozialistische Tendenzen gewehrt hat? Wir brauchen Taten, die wir vorweisen konnen, wenn es notig wird. ROMAN GRAF Ich gebe dem Herrn StAnderat naturlich recht. In allen Punkten, aber aber, die die PlAne, die der Soldat SchrAmli gezeichnet hat, die die sind doch vollig unbrauchbar. Er ist ein Kindskopf, ein naiver Bub. RICHTER WENG Naiv? Also bitte, Herr Graf. Der SchrAmli hat den Deutschen nicht nur Informationen, sondern auch Waffen geliefert. STANDERAT FAVRE Unser geschAtzter General Guisan hat uns mit Ausrufung des Kriegsrechts alle Mittel in die Hand gegeben. Machen wir Gebrauch davon. STADTRAT MATTHIAS GERBER Und wie? Also angenommen der Angeklagte wurde wirklich STANDERAT FAVRE Sie fragen sich, wie es gehen soll? Niemand will ein Spektakel. Kein centre-ville. Wir sind ja keine Barbaren. ROMAN GRAF Wir wissen beide, dass die Schweizer Rustungsindustrie gutes Geld mit Waffenlieferungen an die Deutschen verdient. Ich meine 90 Prozent von unseren Waffenexporten gehen an die AchsenmAchte. RICHTER WENG Was wollen Sie damit sagen? ROMAN GRAF Dass Ernsts gestohlene Granaten doch kein Geheimnis darstellen. Weil wir sie den Deutschen selber verkaufen. STANDERAT FAVRE Auf die Schweiz! ALLE Sant�! RICHTER WENG Durch Ihre erfolgreichen Ermittlungen stehen Sie derzeit sehr gut da. Wollen Sie das fur ein Subjekt wie SchrAmli wegwerfen? Wollen Sie sich freiwillig zum Kollaborateur eines LandesverrAters machen? Ihre Entscheidung. Kein verstAndlicher Text, hochstens �GelAchter� RICHTER WENG Bitte erheben Sie sich zur Urteilsverkundung. Im Fall SchrAmli Ernst fAllt das Divisionsgericht 7A folgendes Urteil: Der Angeklagte wird des Hochverrats, der Spionage und der willentlichen Zersetzung der Wehrkraft der Schweiz fur schuldig befunden. Der Angeklagte hat sich von klein auf als asozialer und unbelehrbarer Charakter hervorgetan. DiebstAhle, SchlAgereien, bis hin zur sexuellen Notigung einer MinderjAhrigen. Das Gericht sieht es somit als erwiesen an, dass Ernst SchrAmli aus Habgier und niederen Beweggrunden gegen sein eigenes Vaterland gehandelt hat. Er wird gemAss MilitArstrafgesetz fur seinen Verrat mit dem Tod durch Erschieben bestraft. Gibt es EinwAnde gegen dieses Urteil? Dann sollen sie jetzt vorgetragen werden. Der Verurteilte hat fur die Verfahrenskosten von Franken 50 aufzukommen. Von Rechts wegen. HEERESPOLIZIST Herr Polizeihauptmann. Bitte. ERNST SCHRAMLI Ist es Fruhling drauben? ROMAN GRAF Es ist Herbst. Ich will gleich zur Sache kommen. Du hast die Moglichkeit, ein Gnadengesuch an den Bundesrat zu richten. Ich habe jetzt als Polizeihauptmann etwas Einfluss. Ich kann mich dafur einsetzen, dass deine Strafe in eine Haftstrafe umgewandelt wird. ERNST SCHRAMLI GefAngnis. Wie lange? ROMAN GRAF LebenslAnglich. So wie bei Schmid, dank deiner Aussage. ERNST SCHRAMLI Sie haben mir doch mal vorgeworfen, ich hAtte nie eine der Chancen wahrgenommen, die ich von Ihnen bekommen hAtte. Das stimmt. Aber haben Sie je verstanden, warum? Versucht, es zu verstehen? ROMAN GRAF Weil du immer ein TrAumer warst und zu stolz. ERNST SCHRAMLI Ein Strabenkoter ist doch nicht �stolz�. Das soll eine Chance sein, wie ein Sklave in der Textilfabrik zu schuften? Eine Chance, dem Vaterland zu dienen und PferdeApfel wegzuschaufeln? Ihre �Chancen�, das sind doch nur Ausreden, um solche wie mich nicht ganz verrecken zu lassen. Und einen TrAumer nenne Sie mich nur, weil ich leben wollte wie ein Mensch! Ist das nicht mein Recht? ROMAN GRAF Naturlich. Aber man muss immer bedenken, wer man ist. ERNST SCHRAMLI Das wissen Sie von sich selbst auch nicht, Herr Graf. Sie tanzen hier an und tun so, als wAren Sie sowas wie ein WohltAter. Dabei plagt Sie doch nur Ihr schlechtes Gewissen. Sie haben mich hAngen lassen, Herr Graf! Nur, weil Sie auch mal endlich zu den feinen Pinkeln gehoren wollten. ROMAN GRAF Wenn wir Schweizer auch weiter unsere Freiheit behalten wollen, mussen wir uns der KrAftelage anpassen. Jeder muss Opfer bringen, auch ich. Aber von einem VerrAter erwarte ich nicht, dass er das versteht! Hach Ich hab dein Gnadengesuch schon aufgesetzt. Unterschreib. Du unterschreibst das jetzt! Bitte! Ernst! Hor auf mich. Die werden dich erschieben, wie einen Hund! ERNST SCHRAMLI Meinen Vater will ich nochmal sehen. Das ist mein letzter Wunsch. Vater! Warum sind keine Knopfe mehr dran? HEERESPOLIZIST Damit keine Kugel zuruckprallt. ERNST SCHRAMLI Vater! Vater, bist du da? Vater! Vater! Vater! HAUPTMANN KELLER Vielleicht trostet es dich, dass deine Kameraden sich erst weigern wollten, das Urteil zu vollstrecken. Aber so lautet der Befehl und sie haben zu gehorchen. Vorderes Glied kniet nieder! Waffe entsichern! Legt an! Feuer! MILITARARZT Der Tod ist nicht eingetroffen! NACHSPANN Am 11. November 1942 wurde Ernst SchrAmli als erster Schweizer wegen Landesverrats erschossen. Sechzehn weitere folgten. Es waren die einzigen todlichen Schusse, die Schweizer Soldaten wAhrend des Zweiten Weltkriegs abgegeben haben. Die Schweiz belieferte Deutschland weiter mit Waffen. Bis zum Kriegsende.